Fachwissen · Richten

Richttoleranzen bei Brennteilen

Wie eben muss ein Brennteil sein? Entscheidend sind die Funktion des Bauteils, eine eindeutige Toleranzangabe und vereinbarte Messbedingungen.

Was mit Richttoleranz gemeint ist

Nach dem Brennschneiden können Blechteile Wellen oder örtliche Verformungen aufweisen. Mit einer Richtanforderung wird festgelegt, welcher Formzustand nach der Bearbeitung benötigt wird.

Ebenheit der Fläche, Geradheit einer Kante und Maßhaltigkeit der geschnittenen Kontur sind dabei voneinander zu unterscheiden. Eine Aussage wie „möglichst gerade“ reicht für eine eindeutige Abnahme nicht aus.

Warum es keinen pauschalen Wert gibt

Die erreichbare Ebenheit hängt von Werkstoff, Dicke, Abmessungen, Ausschnitten und Ausgangsverzug ab. Ein langes, schmales Brennteil stellt andere Anforderungen als eine kompakte Platte. Hinzu kommt der spätere Einsatz: Eine Montagefläche kann andere Vorgaben benötigen als Vormaterial für eine weitere Bearbeitung.

Deshalb sollten Zeichnung und Bestellung die tatsächlich erforderlichen Formtoleranzen enthalten. Vereinbarte Normen, Toleranzklassen und deren Geltungsbereich müssen zur konkreten Liefer- und Bearbeitungsaufgabe passen.

Welche DIN-Normen sind relevant?

Für warmgewalztes Stahlblech ab 3 mm Dicke beschreibt DIN EN 10029 Grenzabmaße und Formtoleranzen, darunter normale und eingeschränkte Ebenheitstoleranzen. Sie ist für das Ausgangsblech innerhalb ihres Anwendungsbereichs relevant. Ihre Vorgaben sollten nicht ungeprüft als Richttoleranz für ein daraus geschnittenes Brennteil übernommen werden.

DIN EN ISO 9013 behandelt die geometrische Qualität und Toleranzen thermischer Schnitte, etwa beim Autogen-, Plasma- und Laserschneiden. Die Schnittqualität ist dabei von der Ebenheit der gesamten Bauteilfläche zu unterscheiden. Ein Verweis auf diese Norm allein ersetzt keine eindeutig vereinbarte Ebenheitsanforderung nach dem Richten.

Nennen Sie in Ihrer Anfrage die anzuwendende Norm mit Ausgabe, gegebenenfalls die Toleranzklasse sowie die geforderte Ebenheit und die Prüfbedingungen. BEB stimmt mit Ihnen ab, welches Ergebnis für Ihr Werkstück erreichbar ist.

Messbedingungen vorab festlegen

Für vergleichbare Ergebnisse müssen Messverfahren, Bezugsbereich und Auflagebedingungen bekannt sein. Bei großen oder schlanken Teilen können Eigengewicht und Unterstützung das Messergebnis beeinflussen. Auch die Frage, ob im freien oder im gespannten Zustand gemessen wird, ist relevant.

Bei einer Prüfung mit Richtlineal und Spaltmessung sind Messstrecke und Messpositionen anzugeben. Eine solche Messung darf nicht ohne Weiteres mit jeder geometrischen Ebenheitsprüfung gleichgesetzt werden. Stimmen Sie mit dem Bearbeiter ab, welcher Nachweis benötigt wird.

Toleranzen an der Fertigungskette ausrichten

Eine besonders enge Forderung kann zusätzlichen Bearbeitungs- und Prüfaufwand verursachen. Sie sollte sich deshalb aus der Funktion des Bauteils ergeben. Wird nach dem Richten erneut geschweißt oder Material abgetragen, muss auch eine mögliche spätere Formänderung berücksichtigt werden.

Sinnvoll ist eine gemeinsame Abstimmung: Welcher Zustand wird direkt nach dem Richten abgenommen, welche Schritte folgen und an welcher Stelle ist eine erneute Prüfung vorgesehen?

Diese Angaben gehören in die Anfrage

Übermitteln Sie eine Zeichnung mit Werkstoff und Materialzustand, Dicke, Außenmaßen und Ausschnitten. Nennen Sie Stückzahl, Gewicht, vorhandenen Verzug und die gewünschte Formtoleranz.

Ergänzen Sie den Bezugsbereich beziehungsweise die Messlänge, Auflagebedingungen und einen gegebenenfalls geforderten Prüfbericht. BEB prüft daraufhin die Machbarkeit und stimmt das angestrebte Ergebnis mit Ihnen ab.

Ihr nächster Schritt

Sprechen wir über Ihr Werkstück.

Mit Zeichnung, Werkstoff, Abmessungen und gewünschtem Ergebnis können wir Ihre Anfrage gezielt prüfen.

Fachwissen

Fachwissen zum Thema

Alle Fachartikel ansehen